PeterLicht bleibt der Mann, der sich nicht zeigt
Dienstag, 03. Januar 2012 um 21:05 Uhr
MUSIKPeterLicht: So nennt sich ein Mann, der sein Gesicht nicht zeigt und uns auch nichts Näheres über seine Biographie sagen will. Laut Wikipedia lebt PeterLicht in Köln – das ist aber auch schon alles, was an Biographischem von diesem Künstler bekannt ist. Das ist vielleicht auch der Grund, warum vielen PeterLicht auf Anhieb nicht bekannt ist. Kürzlich veröffentlichte er sein neues Album „Das Ende der Beschwerde“ mit einem Jahr Verspätung.
Einige Menschen haben ihn aber zumindest schon einmal gesehen. Zur Präsentation seines Buches auf der Leipziger Buchmesse absolvierte PeterLicht seinen ersten öffentlichen Live-Auftritt, im September 2006 startete er seine erste Live-Tournee. Dennoch lehnt er es ab, Fotos von sich schießen zu lassen oder sich im Fernsehen zu zeigen. Bei einem Auftritt mit seiner Band bei Harald Schmidt im Mai 2006 wurde nur sein Körper, nicht sein Gesicht gefilmt.
Jetzt fragt man sich: Warum macht der das alles? Man könnte vermuten, er will auf diese Art und Weise mühselig versuchen, seine Privatheit zu schützen. Das ist es aber nicht: Es geht ihm viel mehr darum, keine Missverständnisse zu provozieren.
Nach der pianogetriebenen, kaum verhallten, trockenen und schwammfreien Platte „Melancholie & Gesellschaft“ im Jahr 2008 hat der Künstler nun darauf verzichtet, ein Jazzalbum, ein Ambient-Schichtenmodell oder einen anderen extremen Selbstversuch zu starten. PeterLichts aktuelles Album namens „Das Ende der Beschwerde“ ist Popmusik mit großem Schallraum, teilweise mit tatsächlicher, live-im-Studio aufgenommener, teilweise mit imaginierter Gruppe, der man im Kopf selbst die Köpfe aufsetzen kann.
„Das Ende der Beschwerde“ ist eine Ende-Platte wie das Album „Lieder vom Ende des Kapitalismus“ aus dem Jahr 2006, aber es ist auch eine Lieder-Platte, weil zwölf Lieder drauf sind, aber aber vor allem ist es eine Problemlöse-Platte. Man kann die Kunst zwar nicht wirklich stoppen, wenn sie ständig um sich selbst kreist, aber exakt das zeigt uns PeterLicht: Du kannst dich in die Mitte stellen. Dann kreist die Kunst plötzlich – um dich.
Pop tut dies, Pop tut das, hat man oft genug gehört – aber was Pop eben wirklich immer tut, wenn er gut ist: eine Utopie aufwerfen. Möglichkeiten formulieren, unsere Geschichte weiterspinnen. Wer und wie die neuen Menschen sein könnten, von denen PeterLicht hier singt und spricht, wissen wir noch nicht. Das Ende der Beschwerde leimt uns wieder zusammen. Zu neuen Menschen. Vielleicht.
Bild: Edel
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